Ein sperriges MVP im Kofferraum und eine Handvoll Interviews mit Testkund:innen auf dem Handy. Das ist für mich Produktentwicklung (Ja, das Foto ist schon ein paar Tage älter …). Ich komme darauf, weil Jan und ich letztens bei einem Kunden-Workshop mal wieder mit der Marktforschungs-Verwechslung konfrontiert wurden.
Die Marktforschungs-Verwechslung tritt auf, wenn Projektverantwortliche oder Stakeholder Produktentwicklung mit Marktforschung verwechseln. 🤨 Bzw. wenn sie denken, Erkenntnisse aus der Marktforschung ließen sich eins zu eins auf die Produktentwicklung anwenden.
Für mich sind das grundsätzlich zwei unterschiedliche paar Schuhe.
Unter Marktforschung verstehe ich die Analyse eines bestehenden oder möglichen Absatzmarktes. Es geht darum, wirtschaftlich relevante Daten über das Marktgeschehen zu erheben. Dazu gehören bestimmt auch Gespräche mit (potentiellen) Kund:innen. 📈
Als Produktentwickler interessiert mich der Markt auch. Sehr sogar. Aber erst später, wenn ich mich um den Product-Market-Fit kümmern will. Zuerst möchte ich aber wissen:
Um das herauszufinden führe ich auch Interviews mit Menschen und beobachte, wie sie mit Prototypen und MVPs interagieren. Ich erforsche nicht Märkte, sondern Motivationen, Bedürfnisse und Probleme und entwickle entsprechende Lösungen. Hierfür muss ich aber nicht 1000 Interviews führen, sondern eher 10. 💬
Ob es einen ausreichend großen Markt für diese Lösungen gibt, ist dann der zweite Schritt (darum kümmern Jan und ich uns auch). Aber es lohnt sich meiner Erfahrung nach immer, das getrennt zu betrachten und unterschiedlich vorzugehen.
Manchmal kommt es übrigens nicht nur zur Marktforschungs-Verwechslung, sondern auch zur Das-ist-zu-wissenschaftlich-Verwirrung. Hierbei werden dann die Produktentwicklungsschritte mit einer wissenschaftlichen Untersuchung verwechselt und unterschwellig abgewertet. „Einfach mal machen, nicht so viel sabbeln.” Aber das ist dann eine andere Geschichte. Erzähle ich beim nächsten mal …
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